Veterinär-Basis im Distrikt Tsholotsho
Einrichtung einer veterinärmedizinischen Basisstation für die tierärztliche Grundversorgung von Arbeitseseln, zur Durchführung von Impfkampagnen für Haushunde sowie als Umwelt- und Veterinärbildungszentrum in einem der ärmsten Distrikte Zimbabwes
Der Distrikt Tsholotsho im Südwesten Zimbabwes in der Nähe des berühmten Hwange Nationalparks ist einer der ärmsten des Landes. Ca. 90% der Bevölkerung Tsholotshos lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Menschen ernähren sich in erster Linie als Subsistenzbauern. Eine ausreichende Versorgung des Gebietes mit „Boreholes“ (Tiefbrunnen zur Trinkwasserversorgung) ist nicht gewährleistet. Esel helfen den Dorfbewohnern und hier v. a. den Mädchen und Frauen, beim Tragen von Lasten und Trinkwasser, welches oft über weite Strecken von den wasserführenden Boreholes herangeschafft werden muss. Hunde werden von Dorfbewohnern in erster Linie gehalten, um die Felder und das Vieh vor Wildtieren zu schützen. Eine Zerstörung der Felder durch Wildtiere kann die Nahrungsgrundlage der Menschen erheblich beeinträchtigen. Hunde stellen allerdings als Reservoir infektiöser Viren auch eine direkte Krankheitsgefahr für Menschen und Wildtiere dar.

Links: Karte der Distrikte Zimbabwes und Ausmaß der Armut, gemessen an verfügbarem Pro-Kopf-Einkommen [Quelle: UNICEF/Zimstat, 2015, Zimbabwe Poverty Atlas]. Der Bezirk Tsholotsho (links, Umrisse in Grün) ist einer der ärmsten des Landes mit 85-96% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Rechts grün umrandet der Distrikt Chipinge, in dem AWARE seit 2020 ebenfalls ein sehr erfolgreiches Projekt durchführt (siehe dort).
Rechts: Typische Lebenswirklichkeiten in Tsholotsho. Die Region ist geprägt von Subsistenzackerbau und bitterer Armut.
AWARE ist in Tsholotsho seit 2015 aktiv, doch verfügten die AWARE Tierärzteteams für die Esel- und Hundearbeit bislang über keine Basisstation in Tsholotsho. Tierärztliche Geräte, Medikamente und Fahrzeuge wurden in der AWARE-Basis in Harare gelagert und alle Einsätze erforderten Fahrten von 500 km, um den Bezirk Tsholotsho zu erreichen. Hinzu kommen jeden Monat Fahrten von mehreren hundert Kilometern innerhalb des Distrikts. Die Straßen sind in extrem schlechtem Zustand, was zum übermäßigen Verschleiß an den AWARE Fahrzeugen führt. Im Jahre 2025 wurde eine AWARE Veterinärbasis in Tsholotsho errichtet, mit der mehrere Aktivitäten und Projekte von einer Basis aus realisiert werden können. Auf dem Gelände der Veterinärstation wurde auch ein Trinkwasserbrunnen (borehole) gebohrt , einerseits, um das Gebäude selbst zu versorgen, andererseits aber auch, um den Menschen in der Umgebung sauberes Trinkwasser zu bieten und so das Zentrum zu einer wichtigen Anlaufstelle für die Communities in der Umgebung werden zu lassen.


Das Hauptgebäude der AWARE Veterinärstation in Tsholotsho und der Trinkwasserbrunnen




Die AWARE Tierärzte behandeln landesweit über 80.000 Esel jährlich kostenfrei für ihre bettelarmen Besitzer. Esel stellen das wichtigste Beförderungsmittel in Tsholotsho dar. Die Gesunderhaltung der Tiere ist ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung.
Gründung einer Nähgenossenschaft auf dem Gelände der Tsholotsho Veterinärstation
Im Bereich der Veterinärbasis wurde mit Unterstützung durch einer deutschen Tierärtzefamilie als Projektpaten eine Frauen-Nähinitiative gegründet. Hier stellen Frauen aus den umliegenden Dörfern Esel-Geschirre her, da schlechtes Gurtzeug bei den Eseln häufig Ursache von Verletzungen sind. Dies ist ein kleines, aber wichtiges Projekt im Gesamtverbund des AWARE-Tsholotsho Projekts, von dem alle Beteiligten profitieren: Die Frauen verdienen sich mit der Herstellung der Esel-Geschirre ein Einkommen, die Esel haben durch das neue Geschirr ein geringeres Risiko für Verletzungen und die Eselbesitzer können Ihr Tier gesünder und damit leistungsfähiger erhalten.


Das Gebäude der Nähinitiative für Esel-Geschirre auf dem Gelände der Veterinärstation, dauerhaft finanziert durch ein deutsches Tierärzte-Ehepaar. Das zumeist „selbst gebastelte“ Gurtzeug führt bei den Eseln häufig zu Scheuerwunden und tiefen Verletzungen. Die Näh-Initiative stellt ein hervorragendes Beispiel für die Strategie und Arbeitsweise von Aware dar: viele kleine Projekte ergänzen sich zu einem großen Projekt, das Menschen und Tieren gleichermaßen hilft und Vertrauen schafft für die Wildtierarbeit in den Nationalparks. Derartige Patenschaften sind zur Nachahmung empfohlen, denn es ist natürlich möglich, sich als Projektpate ein ganz bestimmtes Projekt herauszusuchen und dieses ganz oder teilweise zu finanzieren. Ein gutes Gefühl, wenn man weiß, wie und wo die Spende ankommt! Ständig suchen wir nach weiteren Projektpaten für verschiedene Wildtierprojekte, ökosoziale Projekte, Bildungsprojekte in verschiedenen Teilen des Landes. Bitte melden Sie sich bei uns, sofern Sie Interesse an einem „eigenen“ Projekt haben!
Zukünftig soll im Bereich der Veterinärbasis auch ein Gebäude wird für Bildungsarbeit und tierärztliche Weiterbildung entstehen und dazu mit einem entsprechenden Vortragsraum und der notwendigen Infrastruktur ausgestattet werden (Wasser, Strom, Toiletten). AWARE bietet über sein Clinical Skills Center an der Universität von Zimbabwe in Harare bereits tierärztliche Weiterbildung für lokale Tierärzte an. Mit dem geplanten Gebäude können dann Weiterbildungen von tiermedizinischen Studenten und Tierärzten in „real-life Szenarien“ durchgeführt werden. Als zweite Nutzung des Vortragsraumes soll dieser als Zentrum für die Bildungsprojekte für die Bevölkerung von Tsholotsho genutzt werden und kann so die Reichweite unserer Bildungsarbeit vergrößern. Aufgrund seiner Nähe zum Hwange Nationalpark kann das Gebäude auch als Basis für die Wildtierarbeit dienen.
Ein großer Teil der Baukosten und die laufenden Kosten der Eselprojekte werden von der britischen Charityorganisation SPANA (Society for the Protection of Animals Abroad) finanziert. SPANA (https://spana.org/) ist seit vielen Jahren zuverlässiger Partner unserer zimbabwischen Partnerorganisation AWARE Trust.
Das Eselprojekt wird außerdem unterstützt von der deutschen Tierkrematorium GmbH Cremare, die ihren Sitz in 46485 Wesel hat. Aus der Verbindung zur Stadt Wesel und deren Wappentier (dem Esel), setzt sich Cremare besonders für dieses für den Menschen in Drittweltländern so wichtige Arbeitstier ein.
Die Cremare Tierbestattung aus Wesel unterstützt das AWARE Tsholotsho Projekt. Das Maskottchen von Cremare, ein kleiner Esel, hilft bei der Bildungsarbeit von AWARE.
Das Tsholotsho-Projekt ist ein langfristiges Projekt, das AWARE in den kommenden Jahren nachhaltig entwickeln und unterstützen will. AWARE kann auf Erfahrungen sowohl aus den derzeit laufenden Projekten in Tsholotsho, als auch aus Projekten in verschiedenen anderen Bezirken des Landes zurückgreifen. Die Kombination aus Armutsbekämpfung durch Gesundheitsversorgung der für die Bevölkerung wichtigen Nutztiere, Aufklärungsarbeit für die lokale Bevölkerung, Weiterbildung für zimbabwische Tierärzte und Artenschutz im angrenzenden Nationalpark hat bereits jetzt Modellcharakter im Land. Der Einsatz lokaler Ressourcen, sowohl im Hinblick auf das tierärztliche Personal als auch auf die Lehrkräfte für die Bildungsprojekte, ist eine klassische Hilfe zur Selbsthilfe.
Grundprinzip der AWARE Projekte ist eine Verknüpfung von tiermedizinischer Arbeit mit Bildungsarbeit und humanitärer Hilfe unter Weiterbildung und Nutzung der eigenen Tierärzte und Lehrkräfte des Landes. Durch das SPANA-finanzierte Eselprojekt wurden so z.B. mehrere weitere Community-Projekte angestoßen. Bewässerungsmaßnahmen von Feldern zur Ergänzungsfütterung von Eseln in Dürrezeiten; Bau raubtiersicherer Unterstände für Esel; Grundausbildung in Tierwundversorgung, Hufpflege, etc.